Malteser Hilfsdienst e.V.

Die große Vielfalt

Gabi Lommetz, Koordinatorin Ausbildung und Soziale Dienste, und Dietmar Klabunde, Geschäftsführer Ehrenamt und stellvertretender Dienststellenleiter.

„Wenn es die Malteser nicht gäbe – man müsste sie erfinden“, gratulierte OB Frank Meyer zum 65. Geburtstag der Krefelder Ortsgliederung. Ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sind immer in der Nähe, wenn Menschen Hilfe brauchen: Sie besetzen den Rettungsdienst, unterstützen die Feuerwehr, helfen bei Naturkatastrophen, bilden Ersthelfer aus, verschenken Zeit an einsame Senioren oder sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche gefördert werden. Wie vielseitig die Möglichkeiten sind, sich für die Gesellschaft zu engagieren, erinnert fast an die Großpackung eines Schokoladenherstellers. Dietmar Klabunde, Gabi Lommetz, Marion Rips und Charlotte Gerarts erzählten uns, was sie an ihrer Arbeit fasziniert. Und machten dabei Lust auf Nächstenliebe, Wertschätzung und Adrenalin.

Drei Rettungswagen und drei Krankentransporter des MHD sind täglich in Krefeld im Einsatz.

Es ist eine beeindruckende Bilanz, die Dietmar Klabunde an diesem Montagmorgen an der Obergath vorlegt: Was 1957 mit einem Erste-Hilfe-Kurs für 22 Pfadfinder begann, ist heute bei jährlich 3.000 Teilnehmern angekommen, die sich in lebensrettenden Sofortmaßnahmen unterweisen lassen. Die Kernkompetenz der katholischen Hilfsorganisation ist klar definiert: „Wir helfen Menschen in Notlagen, unabhängig von deren Religion, Herkunft oder politischer Überzeugung.“ So sind allein in Krefeld drei Rettungswagen und drei Krankentransporter der Malteser im Einsatz, die sich um kranke und verletzte Stadtbewohner kümmern. Der Sanitätsdienst sorgt bei Groß- und Brauchtumsveranstaltungen dafür, dass Besucher einen Ansprechpartner finden, wenn sie Hilfe benötigen. Dazu kommen soziale Dienstleistungen wie der Telefonbesuchsdienst, die Demenzbetreuung oder die Jugendarbeit. Was macht die Malteser in unserer Stadt so leistungsfähig? Klabunde und sein Team sind sich einig: „Das starke Zusammenwirken von Ehren- und Hauptamt und der besondere zwischenmenschliche Spirit.“ Vier Augenpaare leuchten gleichzeitig, und die Freude an ihrem Tun ist allen deutlich anzumerken.

Schon seit 1977 ist Klabunde, Geschäftsführer Ehrenamt und stellvertretender Dienststellenleiter, beim Malteser Hilfsdienst aktiv: „Ich bin hier nach dem Rettungsdienst hängengeblieben“, lächelt der erfahrene Katastrophenschützer und wirkt wie ein Fels in der Brandung. „Langweilig wurde und wird es nie, denn die Aufgaben, Funktionen und Tätigkeiten sind vielschichtig“, sagt er mit ruhiger Stimme und festem Blick. Die Begegnungen mit Menschen und die tatkräftig anpackenden Ehrenamtler begeistern den 63-Jährigen bis heute. Und dass die Organisation viel Wert auf die Qualifikation ihrer Helfer lege. Ob Erste Hilfe oder Rettungsdienst, Katastrophenschutz oder Demenzbegleitung: „Wissen an andere weiterzugeben, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.“ Doch auch wer einfach gern mit Menschen umgehe, sozial engagiert und christlich orientiert sei, könne sich für ein Ehrenamt melden, ergänzt Gabi Lommetz freundlich. „In einem Gespräch und mit Schnuppereinsätzen finden wir gemeinsam heraus, was zur Person und ihrem Zeitbudget am besten passt.“ Die hauptberufliche Koordinatorin Ausbildung und Soziale Dienste ist selbst das beste Beispiel für die hohe Ausbildungsqualität der Malteser. Als Demenztrainerin hat sie das Café Malta gegründet und leitet Caritasschulungen, als Lehrscheininhaberin bildet sie bundesweit Menschen aus, die Erste-Hilfe-Kurse geben wollen. Bescheiden fügt sie hinzu: „Im Ehrenamt bin ich noch kommissarische Stadtbeauftragte.“ Unser Eindruck, dass hier keiner viel Aufsehen um seine Leistungen für das Gemeinwohl macht, festigt sich.

Marion Rips (rechts) kümmert sich beim MHD ehrenamtlich um das

Für Marion Rips ist gemeinsames Lachen im Ehrenamt das Größte. Die 62-Jährige schwärmt vom beliebten Seniorencafé, bei dem nicht nur Spiele gespielt und gemeinsame Ausflüge geplant werden: „Wenn alle herzlich lachen, sich ein Stück Kuchen gönnen und neue Freundschaften entstehen, geht mir das Herz auf.“ Der Besuchs- und Begleitdienst „Abendsonne“ kümmere sich rührend um ältere Menschen, gehe für sie einkaufen oder biete ein Ohr für Gespräche an. So werde der Besuch oft zum Wochenhöhepunkt, während die verschenkte Zeit für jeden einzelnen Helfer nur ein „kleines Opfer“ sei. Die 20-jährige Charlotte Gerarts tritt den Beweis an, dass man von klein auf wertvolle Zeit bei den Maltesern verbringen kann. Sie kommt aus dem Schulsanitätsdienst, hat nach dem Abitur ein FSJ absolviert und leitet jetzt die Malteser Jugend in Krefeld. Der Leitsatz „Glauben, Lachen, Helfen, Lernen“ motiviere sie genauso stark wie das gute Gefühl, Kindern „Werte zu vermitteln und die Möglichkeit zu geben, außerhalb der Schule Freunde zu treffen und Dinge zu erleben.“ Als Highlights zählt sie strahlend das Pfingstlager und Projekte wie Spiel ohne Ranzen, die Kinderexpo und den Besonderen Weihnachtsmarkt auf.

Charlotte Gerarts, Leiterin der Malteser Jugend.

Freiwilliges Engagement hält unsere Gesellschaft gerade in schwierigen Zeiten zusammen. „Wir werden die Hilfsbereitschaft, Professionalität und Tatkraft dieser Organisation künftig dringend brauchen“, schrieb OB Meyer neulich in einem Grußwort. Die Dankbarkeit und Freude, die Helfer zurückbekommen, sei jedoch mit Geld nicht aufzuwiegen, resümiert Klabunde und betont die Vielfalt der Möglichkeiten: Wer Action und Adrenalin erleben möchte, kann sich als Rettungshelfer, Notfallsanitäter oder Katastrophenschützer für andere einsetzen. Charaktere, die es ruhiger angehen lassen wollen, sind in den Sozialen Diensten gut aufgehoben. Sie alle machen die Welt ein bisschen besser. Und vielleicht gibt es am Ende des Tages nicht nur ein Dankeschön, sondern auch mal einen Schokoriegel. Wer weiß?

Malteser Hilfsdienst e.V.
Obergath 33
47805 Krefeld
Telefon: 02151 78139-0
www.malteser-krefeld.de

Fotos: Felix Burandt
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